09 Jan

“Bewegt und gesund im Büro” – Projektbericht

Das Projekt „Bewegt und gesund im Büro“ habe ich mit der Absicht umgesetzt, BüromitarbeiterInnen bezüglich ihrer Gesundheit einen Mehrwert zu bieten. Denn genau das ist es, was ein bewegter Büroalltag bringt. Mehrwert!

Das Health Promotion Coaching ist ein innovatives Trainingskonzept speziell für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Büro. Ziel ist es, nachhaltige Verhaltensänderungen durch Bewusstseinserweiterungen und stärkere Gesundheitskompetenzen zu erreichen. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit an der Deutschen Sporthochschule Köln entwickelte ich ein Projektdesign, das Lösungen für die gesundheitlichen Herausforderungen der Büroarbeit in den Fokus rückt.

Studiendesign

Die konzeptionelle Gestaltung des Studiendesigns basiert auf meiner visionären Vorstellung von nachhaltiger Betrieblicher Gesundheitsförderung. Drei Kölner Unternehmen mit über 150 BüromitarbeiterInnen haben an dem wissenschaftlichen Projekt teilgenommen. Die Projektphase startete jeweils mit einem Kick-off-Vortrag für die MitarbeiterInnen. Während der Projektlaufzeit von acht Wochen erhielten diese wöchentliches Online-Training über innovative Medienformate. Das Untersuchungsdesign ist darauf ausgerichtet, dass eine Interventionsgruppe (IG A) wöchentlich ein zusätzliches Video-Training als Maßnahme erhält. Es werden unterschiedliche Medienformate und dessen Wirksamkeit auf die Reduzierung der Sitzzeiten im Büro untersucht.

Fokus: Reduzierung der Sitzzeiten am Büroarbeitsplatz

In der heutigen modernen Arbeitswelt und die damit verbundenen Bürotätigkeiten prägen insbesondere ein hohes Maß an körperlicher Inaktivität sowie langandauerndes und häufiges Sitzen den Arbeitsalltag. Wallmann-Sperlich et al. (2014) kamen nach einer deutschlandweiten Umfrage zu dem Ergebnis, dass Berufstätige 31,7% ihrer Gesamtsitzzeit während der Arbeit verbringen. Eckert & Köppel (2017, S. 161) bezeichnen diese Entwicklungen als besonderes prekär, „da Sitzzeiten per se, aber insbesondere Phasen langandauernden Sitzens, negativ mit verschiedenen Gesundheitsparametern in Verbindung gebracht werden.“ Laut BGAG-Report des Jahres 2008 des Institutes für Arbeit und Gesundheit verbringen mehr als 20 Millionen Menschen ihren Arbeitstag überwiegend im Sitzen, was mit körperlicher Inaktivität einhergeht. Bezogen auf die verhaltensbezogenen Risikofaktoren sind gerade BüroarbeiterInnen besonders häufig von Rücken- und Gelenkschmerzen betroffen (Weber, 2008). Eckert & Köppel (2017) weisen des Weiteren darauf hin, dass der Kontext Arbeit ein wichtiges Setting zur Reduzierung der Sitzzeiten darstellt.

Ergebnisse: Deutliche Reduzierung der Sitzzeiten!

Die Mittelwerte des OSPAQ (Fragebogen zu Sitz- und Stehzeiten bei der Arbeit) zu den Messzeitpunkten T0 und T 1 werden in den folgenden beiden Abbildungen dargestellt. Zum zweiten Messzeitpunkt ist sichtbar, dass beide Mittelwerte gesunken sind. In der IG A sind die Sitzzeiten an einem typischen Arbeitstag im Durchschnitt um 17% gesunken. In der IG B beträgt die Reduzierung der Sitzzeiten 11,86%.

Mittelwerte des OSPAQ (Sitzzeit)

Abbildung: Mittelwertvergleiche beider Interventionsgruppen zwischen T0 und T1

Bei den prozentualen Stehzeiten steigen die Mittelwerte in beiden Interventionsgruppen. IG A verzeichnet dabei einen Anstieg von 15,22% und die prozentualen Stehzeiten von IG B sind durchschnittlich um 22,43% gestiegen.

Mittelwerte des OSPAQ (Stehzeit)

Abbildung: Mittelwertvergleiche beider Interventionsgruppen zwischen T0 und T1

Die Stichprobe unterscheidet sich signifikant (p=0,044) hinsichtlich der Mittelwerte des OSPAQ (prozentuale Sitzzeiten) von T0 zu T1. Das bedeutet, dass die Sitzzeiten durch die Intervention signifikant reduziert werden konnten. Die Stehzeiten nahmen signifikant zu.

Fazit: Bewegt und gesund im Büro

Das Projekt hat bei den MitarbeiterInnen sehr guten Anklang gefunden. Das spiegeln die Feedbacks unmittelbar nach den Kick-off-Veranstaltungen sowie während der Online-Phase und auch im Anschluss an die Projektphase ausgefüllten schriftlichen Feedbacks wieder. Die intensiven Feedback-Gespräche mit den Personalverantwortlichen bzw. Geschäftsführern der teilnehmenden Unternehmen bestätigten dies.

Als Projektverantwortlicher bin ich mit dem Projekt „Bewegt und gesund im Büro“ überaus zufrieden und habe bereits aus den Prozessen sehr nützliche Schlüsse für die anstehenden Folgeprojekte gezogen, die daraus entstanden sind!

Ich freue mich auf spannende Zeiten!

 

Literatur:

Eckert, K., & Köppel, M. (2007). Interventionsstudien zur Reduzierung der Sitzzeiten am Arbeitsplatz – ein Review. Bewegungstherapie und Gesundheitssport, 2017(33), 161–163.

Wallmann-Sperlich, B., Bucksch, J., Schneider, S., & Froböse, I. (2014). Risikofaktor Sitzen – Prävalenz und Determination von Sitzzeiten am Arbeitsplatz. Das Gesundheitswesen, 76.

Weber, B. (2008). Physische Inaktivität an Arbeitsplätzen. In R. Hanssen- Pannhausen & H. Zieschang (Eds.), BGAG-Report: Vol. 2008,1. 3. Fachgespräch Ergonomie. Zusammenfassung der Vorträge, gehalten während des 3. Fachgesprächs Ergonomie am 29. und 30. Oktober 2007 in Dresden (pp. 207–215). Dresden: BGAG-Inst. Arbeit und Gesundheit